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Mit den Händen sehen gelernt

Als 30-Jähriger verlor Peter Schär sein Augenlicht. Trotz dieser schwierigen Zeit haderte er nicht mit dem Schicksal, sondern machte weiter.


An der Stimmlage erkennt Peter Schär sofort, wie es um sein Gegenüber steht. Über Jahre hat er sich dieses feine Gespür angeeignet.

Auch die Haarfarbe und ob jemand schlank oder fester ist, kann er an der Stimme ablesen. "In den meisten Fällen trifft es zu", meint er und muss schmunzeln. Mit dieser Spielerei habe er aber seit längerem aufgehört. "Besonders am Anfang war es für mich interessant", sagt er. Mit Anfang ist seine Zeit als 30-Jähriger gemeint, als er seine Sehfähigkeit vollständig verloren hatte. Lediglich hell und dunkel kann er heute noch unterscheiden.

Sein frohes Gemüt hat er stets bewahrt.

Ohne sehen zu können fertigt er kunstvolle Körbe und andere Flechtereien an.


Mit präziser Sicherheit greifen die feingliedrigen Finger an das Korbgerüst, um die nächste Weidenrute im Flechtmuster durch die hochstehenden Ruten zu führen. Fühlend, wie mit den Fingern lesend, arbeitet der Korbflechter weiter.  


Aus nächster Nähe schauen ihm die Zuschauer fasziniert bei seinem stillen, beinahe hypnotisierenden Werken zu. Ab und zu unterbricht er seine Arbeit und die Ruhe und schlägt mit einem Klopfeisen auf das Geflecht, um die Weidenruten zusammenzuschieben.


Peter Schär im Bohlenständerhaus in Amriswil.